Feierstunde auf dem Mahlberg am 15.07.2012 anläßlich der Enthüllung eines Gedenksteins
Redebeitrag des Vorsitzenden des Heimatvereins Völkersbach Günter Daum

Sehr geehrte Gäste,
sehr geehrte Damen und Herren

Völkersbach – unser Mahlberg

Je nach Betonung der Worte „unser Mahlberg“, könnte die Aussage als Forderung für eine Demo stehen, die Sie , verehrte Gäste, zum Gipfel ziehen lies, um vom Mahlberg entschlossen Besitz zu ergreifen.
Nein, der Anlass unserer Zusammenkunft heute ist friedlicher Natur, denn der turmbekrönte Bergkegel mit seiner Gipfelhöhe von 613 Metern ist längst, und das schon seit über 200 Jahren, zum Hausberg von Völkersbach geworden, und auch zum Namensgeber der dortigen Grundschule sowie einer Ortsstraße.
In nicht ganz so ruhigen Bahnen ist jedoch der Weg verlaufen, der den Mahlberg letztendlich in das Eigentum der Gemeinde Völkersbach geführt hat, wie uns ein kurzer Streifzug durch die Historie der

„Malscher Markgenossenschaft“

belegt.
Mit dem urkundlich gesicherten Eintritt der Ansiedlungen Malsch, Waldprechtsweier, Durmersheim, Freiolsheim und Völkersbach in die Geschichte entstand etwa im 13. Jahrhundert -ein genaues Entstehungsdatum ist nicht gesichert- ein Zusammenschluss der genannten Dörfer zur „Malscher Markgenossenschaft“

Die umfangreiche Markung der Genossenschaft reichte von den Wäldern der Hardt (Angrenzer waren: Muggensturm, Bietigheim, Durmersheim, Mörsch) bis hinauf nach Ettlingen und stieß dort auf die Markgenossenschaft Ettlingenweier. Die Grenze verlief weiter durch Sulzbach hinauf zu den Rimmelsbacher Höfen, den Tanngraben entlang, hinunter zur Moosalb.
Ab der Weimersmühle Moosalb aufwärts umschloss die Gebietsgrenze u.a. neben dem Weiler Mittelberg auch einen Teil von Moosbronn und den Mahlberg, nach einer Grenzbeschreibung aus dem Jahre 1425 noch „Ahlberg“ bezeichnet.
Der weitere Grenzverlauf ging über den Mönchskopf hinab in Richtung Michelbach, entlang dem Fuß des Eichelbergs und schloss den Kreis der Markung bei Muggensturm.
Ziel und Zweck des Zusammenschlusses der Dörfer in der „Malscher Markgenossenschaft“ waren die gemeinsame und dadurch bessere Nutzung von
Wald, Weide ,Wiesen, Wasser und Ackerland.
Wiesen und Ackerland gingen im Laufe der Zeit in Privateigentum einzelner Familien oder Sippenmitglieder in den Dörfern über. Übrig blieben letztlich über Jahrhunderte hinweg nur noch Wald, Weide und Wasser den Markgenossen zur gemeinsamen Nutzung erhalten.
Aus den Wäldern der recht umfangreichen Distrikte bezogen die Markgenossen das benötigte Brenn- und Bauholz.
Mehr noch aber dienten die ausgedehnten Eichen- und Buchenwälder mit ihren reichen Früchten (Eicheln, Bucheckern) den Malscher Markgenossen, ergänzend zum Ackerbau, der vorwiegend praktizierten Viehwirtschaft als Weidedistrikte für das Großvieh und hier vor allem für die Schweine.
Mit der Zunahme der Bevölkerung in den Dörfern und somit eines stärkeren Bedarfs an Ackerflächen durch die Rodung von Waldweiden, hinzukommend die Erkennung des Waldes als wertvolle Ware, häuften sich langandauernde Streitigkeiten unter den Markgenossen um Weiderechte und Verstößen gegen Holznutzungsrechte mit wechselnden Erfolgen für Kläger und Beklagte vor Gericht
Freiolsheim war 1788 das erste Dorf, das aus der Markgenossenschaft ausbrach und mit einem Stück eigenen Waldes abgefunden wurde. Vorausgegangen waren u.a. Freiolsheimer Holzverkäufe nach außerhalb der Markgenossenschaft – Das Recht auf Holzverkäufe stand ausschließlich dem Markherrn Malsch zu.
Auch Völkersbach war mit der Zeit der Markgenossenschaft müde geworden. Seit 1340 immer wieder aufflammende Waldstreitigkeiten, ein 1780 durch die eigenmächtige Fällung von 160 Eichbäumen aus dem genossenschaftlichen Besitz ohne Zustimmung des Markherrn ausgelöster Rechtsstreit und langanhaltende Auseinandersetzungen um die „Völkersbacher Heide“ besiegelten am 11. September 1811, nachdem zuvor schon Waldprechtsweier und Durmersheim zur dem genossenschaftlichen Verband den Rücken gekehrt hatten, mit der Waldaufteilung gleichzeitig auch das Ende der Malscher Markgenossenschaft.
Bei der Teilung der 1811 noch verbliebenen Markwälder war Völkersbach in den Eigenbesitz von 1650 Morgen rd. 495 Hektar Waldungen und Heideflächen gekommen, darunter der bewaltete Mahlberg mit etwa 49 Hektar. Durch diesen Zugang aus dem Teilungsgeschäft hatte sich die Völkersbacher Gemarkungsfläche von bisher 390 Hektar mehr als verdoppelt.
Die Zuteilung der Völkersbacher Exklave Mahlberg –damals nach „Ahlberg“ genannt - sei, wie Leopold Koch in seinem Buch „Die Geschichte des Dorfes Völkersbach“ schreibt, für das Dorf damals keine reine Freude gewesen.
Und er fährt fort: zu weit abgelegen der Mahlberg, zu problematisch seine Beaufsichtigung, recht unwirtlich und steil die bewalteten Hänge.
Gerne hätte Völkersbach damals den Mahlberg gegen eine Domänewaldfläche auf dem Mittelberg getauscht, das aber wurde vom Forstamt abgelehnt.
Vielmehr wartete das Forstamt mit dem Plan auf, mit Freiolsheim zu einem Waldtausch zu kommen: Mahlberg gegen ein entsprechend großes Wald-Areal im Mettenrain.
Das Forstamt ging gar noch weiter und riet zum Verkauf des Mahlbergs. Mit dem Erlös sollte Völkersbach den Zustand der eigenen Wälder verbessern und durch Aufforstungen neue Waldflächen schaffen.
Ein Verkauf des Mahlberges kam für Völkersbach schon damals überhaupt nicht in Frage.

Nach mehreren gemeinsamen Verhandlungen und nach Übereinkommen der Parteien in strittigen Grenzfestlegungen, schien 1878 das Tauschobjekt Mahlberg gegen Waldfläche im Mettenrain gesichert.
Die Gemeinderäte der beiden Dörfer genehmigten zwar noch den Waldtausch, der letztendlich an den ablehnenden Haltungen der beiden Gemeindeversammlungen scheiterte. In der Bevölkerung hielten sich nämlich Befürworter und Gegner eines Waldtausches die Waage
Weitere nachfolgende Versuche des Forstamtes und der zuständigen Bezirksämter doch noch zu einem Waldtausch zu kommen, wurden vornehmlich in Völkersbach seitens des Gemeinderates und des Bürgerausschusses einfach keiner Entscheidung mehr zugeführt.

Im Zuge der Gebietsreform in den 70 er Jahren des letzten Jahrhunderts unternahm die Stadt Gaggenau einen Vorstoß der Besitzergreifung.
Verhandlungen in den Jahren 1972 bis 1976 über einen Tausch und damit ein Abtretung der Exklave an die Stadt Gaggenau waren schon recht weit gediehen, doch in Respektierung der in der Bevölkerung heftig aufkommenden Emotionen, lehnte der Ortschaftsrat Völkersbach am 20. August 1976 das Ansinnen der Stadt Gaggenau, einstimmig ab, dem auch der Gemeinderat Malsch gefolgt ist.

„Der Mahlberg gehört uns“

ist seither zur gängigen und unüberhörbaren Antwort aller Völkersbacher auf jedwedes fremde Besitzbegehren am Mahlberg geworden, die sinngemäß auf dem zu enthüllenden Stein u.a. mit den Worten eingehauen ist
„höchster Punkt der Gemarkung Völkersbach“
und damit auch fest in das öffentliche Bewusstsein gerückt wird.

Der Völkersbacher Egon Koch hat dem bekannten Badener-Lied eine weitere Strophe hinzugefügt und dem Mahlberg gewidmet:

Der Mahlberg zählt zu Völkersbach,
ein Wächter weit und breit,
grüßt Badnerland und Württemberg
vergessen ist der Streit.

Die Markgenossenschaft Malsch
Der Beginn der Markgenossenschaften –nicht Marktgenossenschaften- fällt in die germanische Frühzeit. Nach dem Sieg der Franken über die Alemannen schlossen sich die fränkischen Familien und Sippenverbänden bei der Landnahme zusammen mit dem Ziel der gemeinsamen genossenschaftlichen Nutzung des auf der Mark (Gemarkung) ihrer Niederlassung vorhandenen Waldes, der Wiesen, des Wassers und der Ackerfluren. Später gingen Wiesen und Ackerland in das freie Eigentum der einzelnen Mitglieder des Sippenverbandes über und waren damit von der gemeinsamen genossenschaftlichen Nutzung ausgeschlossen.
Durch einen Zusammenschluss der Dörfer Malsch (Markherr), Waldprechtsweier, Durmersheim, Freiolsheim und Völkersbach (Markgenossen) entstand etwa im 13. Jahrhundert die Malscher Markgenossenschaft, die bis zur Waldteilung im Jahre 1811 bestanden hatte.
Zuvor hatten 1788 Freiolsheim, 1792 Durmersheim, 1803 Waldprechtsweier der Malscher Markgenossenschaft den Rücken gekehrt und 1811 Völkersbach folgend war das Ende der Genossenschaft besiegelt.